Konzept

Vorgeschichte des Projektes

 

Bereits 2014 hatte Charis Nass die Idee im Kopf, den fast vergessenen Roman von Irmgard Keun in eine Bühnenfassung umzusetzen. Am Schauspiel Essen hatte sie bereits die Doris in Keuns vielbeachtetem Stück "Das kunstseidene Mädchen" gespielt und im Zuge dessen auch Martina Keun-Geburtig, die Tochter der 1982 verstorbenen Autorin kennengelernt.
Frau Keun-Geburtig, wie auch der Theaterverlag Felix Bloch Erben, konnten für die Realisierung der als Monolog angelegten Romanadaption gewonnen werden. 2016 enstand aus der Idee dann die Uraufführung in Kooperation mit dem renommierten Kinder- und Jugendtheater Theaterhaus Frankfurt.

 

 

Zielgruppe

 

Das Stück richtet sich an alle ab 8 Jahren und ist für Kinder wie auch für Erwachsene geeignet.

 

Das Mädchen im Stück hinterfragt die Welt der Erwachsenen und deckt die Unlogik mancher Aussagen aus und lässt sich nicht beirren, seinem Herzen zu folgen. Kinder können sich leicht in der manchmal wilden und immer mutigen Hauptfigur wiederfinden und sich von ihr bestärkt fühlen, eigene Wege zu gehen und sich eigene Meinungen zu bilden.

Damit leistet das Stück einen Beitrag zur Selbststärkung und kulturellen Entwicklung von Kindern und kann z.B. auch im schulischen Kontext sinnvoll eingesetzt werden (ca 3. - 5.Klassen sind besonders geeignet). Es bieten sich hier viele Anknüpfungspunkte, um Kindern sowohl historische als auch zeitgemäße Aspekte von Kindheit im Spannungsfeld zwischen Anpassung und Eigensinn zu vermitteln.
Erwachsene Zuschauer können durch die Unmittelbarkeit der Geschichte und den Blickwinkel des Mädchens ihr Erwachsen- /Elternsein hinterfragen. Auch älteres Publikum, das mitunter selber noch von Kriegs- und Nachkriegserlebnissen geprägt ist, wird sich in die  eigene Kindheit, die aufgrund der Umstände mitunter auch eine große Freiheit bot, zurückversetzt fühlen.

 

Relevanz bietet das Stück zudem durch die aktuellen politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen Kinder sind auch heute wieder von dem großen Thema Krieg direkt oder indirekt betroffen. Sei es unmittelbar bei Kindern aus Krisengebieten mit eigenen Kriegs-/Not- und Fluchterfahrungen oder mittelbar durch die mediale Berichterstattung über Brandherde in der Welt, sowie durch die Integration von Flüchtlingskindern z.B.  in der eigenen Schulklasse oder Gemeinden.
Das Projekt hilft auch hier einen Vermittlungs- und Diskussionsansatz zu schaffen und das Thema mit den Schülern spielerisch aufzugreifen.

Wir sind auch sehr interessiert an Zusammenarbeiten mit Senioreneinrichtungen oder Mehr-Generationen-Projekten, in denen der Austausch zwischen den Generationen gestärkt wird und die Auseinandersetzung mit Situationen damals und heute stattfinden kann.

 

 

Inszenierung

 

Der Inszenierungsansatz bewegt sich an der Schnittstelle von modernem Erzähltheater und Schauspiel, verknüpft mit eigens für das Stück erschaffene Musiken. Bearbeitete und verdichtete Soundarrangements aus historischen Originalmotiviken wechseln sich mit stimmungsuntermalenden Passagen ab und tragen so zum spielerischen Fluss und der Dynamik des Stücks bei. Durch die große Leichtigkeit und den frisch-frechem Humor können die Zuschauer der Hauptfigur durch die vielen spannenden Ereignisse folgen. Die Zeit des ersten Weltkrieges zieht sich als roter Faden begleitend durch das Stück und bildet den geschichtlichen Hintergrund, unter dessen Einfluss das Mädchen aufwächst und sich durch das Leben bewegt. Die Kriegsthematik überlagt aber zu keinem Zeitpunkt den spielerischen Eifer, mit dem uns das Mädchen, manchmal lustig, manchmal ernst aus seiner Zeit erzählt.

Die Erlebnisse und Sichtweisen des Mädchens sind, trotzdem die Romanvorlage bereits 1936 erschien, von einer großen Zeitlosigkeit geprägt. So bietet sich mit dem Projekt die große Chance, sich mit der Vergangenheit von vor 100 Jahren auseinander zu setzen und gleichzeitig aus heutiger Perspektive zu untersuchen, ob und in wieweit sich im Grundsatz die großen Fragen, Sorgen und Sichtweisen von Kindern unterscheiden.

 

 

Technische Voraussetzungen für Gastspiele

 

Die Inszenierung ist als mobile Produktion angelegt, die sowohl in voll ausgestatteten Theatern, als auch in einfachen Räumen mit unterschiedlichen Voraussetzungen spielbar ist und somit als Tourtheater gastieren kann (zum Beispiel in Schulen, Gemeindezentren, Generationenhäusern, Kinder- und Senioreneinrichtungen, Museen etc).

Die Produktion ist unter gewissen Bedingungen auch outdoor spielbar.

 

Sie sind sich nicht sicher, ob Ihr Spielort oder Ihre Einrichtung für das Stück geeignet sind? 

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Über die Autorin Irmgard Keun

Quelle/Permalink: Wikipedia

Irmgard Keun (* 6. Februar 1905 in Charlottenburg bei Berlin; † 5. Mai 1982 in Köln) war eine deutsche Schriftstellerin.

 

Mit den Eltern, dem Kaufmann Eduard Keun und Elsa Charlotte Keun, geborene Haese, und dem 1910 geborenen Bruder Gerd verbrachte sie ihre Kindheit zunächst in Berlin. Während der Zeit in Berlin zog die Familie mehrfach um, bis sie 1913 nach Köln übersiedelte. Ihr Vater war inzwischen zum Teilhaber und Geschäftsführer der Cölner Benzin-Raffinerie avanciert und hatte mit seiner Familie das Haus in der Eupener Straße 19 in Köln-Braunsfeld bezogen. Nach dem Abschluss am evangelischen Mädchenlyzeum Teschner 1921 besuchte Keun zunächst eine Handelsschule im Harz, anschließend nahm sie Privatunterricht in Stenografie und Schreibmaschine in einer Berlitz School. Danach war sie als Stenotypistin berufstätig. Von 1925 bis 1927 besuchte Keun die Schauspielschule in Köln. Es folgten Engagements in Greifswald und Hamburg, allerdings mit mäßigem Erfolg. Aus diesem Grund beendete sie 1929 ihre Schauspielkarriere und begann – ermutigt von Alfred Döblin – zu schreiben. Am 17. Oktober 1932 heiratete sie in Cochem den Autor und Regisseur Johannes Tralow; 1937 wurde die Ehe wieder geschieden.

 

Ihr erster Roman Gilgi, eine von uns machte Irmgard Keun 1931 über Nacht berühmt. Auch Das kunstseidene Mädchen (1932) wurde sofort zu einem Verkaufserfolg. [...] 1933/34 wurden ihre Bücher beschlagnahmt und verboten. Ihr Aufnahmeantrag in die Reichsschrifttumskammer wurde 1936 endgültig abgelehnt. Keun ging ins Exil (1936 bis 1940), zunächst nach Ostende in Belgien und später in die Niederlande. In dieser Zeit entstanden die Romane Das Mädchen, mit dem die Kinder nicht verkehren durften (1936), Nach Mitternacht (1937), D-Zug dritter Klasse (1938) und Kind aller Länder (1938), die in deutschsprachigen Exil-Verlagen in den Niederlanden erscheinen konnten. Zu ihrem Freundeskreis gehören in diesen Jahren unter anderen Egon Erwin Kisch, Hermann Kesten, Stefan Zweig, Ernst Toller, Ernst Weiß und Heinrich Mann. Von 1936 bis 1938 hatte sie eine Liebesbeziehung mit Joseph Roth, die sich zunächst positiv auf ihre literarische Tätigkeit auswirkte. Sie arbeitete gemeinsam mit Roth und unternahm mit ihm zahlreiche Reisen (nach Paris, Wilna, Lemberg, Warschau, Wien, Salzburg, Brüssel und Amsterdam). 1938 trennte sich Keun von Roth. Nachdem die Deutschen mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht in die Niederlande Keun in ihrem Exilland eingeholt hatten, ging sie 1940 nach Deutschland zurück und lebte dort bis 1945 in der Illegalität. Dabei half ihr ein SS-Mann in den Niederlanden bei der Herstellung falscher Papiere auf den Namen „Charlotte Tralow“. Hilfreich war auch, dass eine Falschmeldung über ihren angeblichen Selbstmord durch den Daily Telegraph veröffentlicht worden war.

 

Nach dem Krieg versuchte Keun, verlorengegangene Kontakte wiederherzustellen, traf sich mit Döblin und begann einen jahrelangen Briefwechsel mit Hermann Kesten. Sie arbeitete als Journalistin und schrieb kleinere Texte für Hörfunk, Kabarett und Feuilletons, konnte jedoch literarisch nicht wieder Fuß fassen. Sie lebte zeitweise in ärmlichsten Verhältnissen in einem Schuppen auf einem Ruinengrundstück in Köln-Braunsfeld. Dort suchte sie der Intendant des Nordwestdeutschen Rundfunks Max Burghardt auf und versuchte sie zu einer Zusammenarbeit zu bewegen. Sie lehnte zunächst ab, es ergab sich dann jedoch eine Zusammenarbeit.

 

Ihr Roman Ferdinand, der Mann mit dem freundlichen Herzen (1950) fand nur wenig Beachtung, auch die Bücher aus der Emigrationszeit erwiesen sich als unverkäuflich. 1951 wurde die Tochter Martina geboren, den Vater hielt Keun geheim. Ab Mitte der 1950er Jahre bestand eine Freundschaft mit Heinrich Böll, mit dem sie gemeinsam einen fiktiven „Briefwechsel für die Nachwelt“ publizieren wollte. Das Projekt scheiterte, da sich kein Verleger finden ließ. Ab den sechziger Jahren blieben Veröffentlichungen aus, Keun litt an Alkoholismus und verarmte. 1966 folgte ihre Entmündigung und Einweisung in die psychiatrische Abteilung des Landeskrankenhauses Bonn, wo sie bis 1972 blieb. Danach lebte sie zurückgezogen in Bonn, ab 1977 in einer kleinen Wohnung in der Kölner Trajanstraße. Eine Lesung in Köln und ein Porträt im „Stern“ sorgten dann unerwartet für eine Wiederentdeckung von Keuns Büchern. Durch Neuauflagen verbesserte sich ab 1979 ihre finanzielle Lage. 1982 starb sie an Lungenkrebs und wurde auf dem Kölner Melaten-Friedhof beigesetzt. [...]